Pierre der den Stein trägt
(Originalausgabe)
Südfrankreich, kurz vor der französischen Revolution: Der achtjährige Pierre träumt von einem Leben weit weg von seinem armseligen, häßlichen Bauerndorf und flüchtet sich täglich in ein Phantasiereich. Eines Tages sieht er ein kleines Mädchen vor seiner Hütte auf einem Stein sitzen, und der Himmel scheint ihm kopf zu stehen. Der Blick des Mädchens, ein Blick, wie er ihn nie zuvor gesehen hat, scheint ihm zu bedeuten, daß es noch eine andere, bessere Welt geben muß. So zieht er los, um den Ort, zu finden, an den er hingehört. Den Stein, auf dem das Mädchen saß, trägt er auf seinen Schultern wie das Gewicht seiner Sehnsucht zu jener besseren Welt, die ihm des Mädchens Blick geöffnet hat.
Frank und Alex
(Originalausgabe)
Die Parabel von »Frank und Alex« hat etwas geradezu anstößig Prosaisches, zeichnen sich die beiden Protagonisten doch durch eine abstruse sexuelle Beschaffenheit aus: Ihre Glieder sind so abnorm groß, dass sie unfähig sind, mit einer Frau zu schlafen. Während Frank dieser Last durch ein streng gegliedertes Leben entgegenwirkt, landet Alex als Penner auf der Straße. Doch als eines Tages Madlene in Franks Leben tritt und sich ernsthaft für ihn interessiert, wird er buchstäblich von der Macht der Liebe erschlagen. Beim ersten Rendevous trifft ihn im Bemühen, sich auf die amourösen Herausforderungen einzustimmen, der Schlag. Man findet ihn sterbend auf der Toilette, mit heruntergelassenen Hosen und einem wie zu einem menetekelhaft aufgerichteten Totempfahl erstarrten Glied, das den restlichen Körper auf eine geradezu irritierende Weise verkümmert erscheinen lässt. In »Frank und Alex« schlägt Mario Noichl den Leser im Spannungsbogen zwischen sexueller Beklemmung und Sehnsucht nach Normalität mühelos in seinen Bann.
Die Orgeln des Wahnsinns
Eine schreckliche Mordserie an Frauen erschüttert die Gegend rund um den idyllischen Chiemsee in Oberbayern. Was die Ermittler besonders irritiert: Während ein Teil der Opfer auf geradezu bestialische Art und Wiese verstümmelt und anschließend an gut frequentierten Orten zur Schau gestellt wurde, wirken die anderen Toten geradezu unversehrt, ja mehr noch: Es scheint, als habe der Mörder die Opfer regelrecht geliebt, da er die Leichen mit gekämmtem Haar und einbalsamiert in duftendes Öl zurückgelassen hat. Ben Lose vom Münchner Morddezernat, der den Fall übernommen hat, führen die Hinweise schnell zu seinem ehemaligen Philosophiedozenten, der gemäß der indischen Lehre das Leben untrennbar mit Leid verbunden betrachtete und jenen, der Leid nahm, als unendlich edel ansah. Bald schon keimt in Ben Lose der Gedanke, daß die Erlösung vom Leben wahrhaftig die größte aller Taten ist - und wen erlöst man lieber als die, die man liebt?




