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Autorenprofil
Homepage: www.jn-minden.de
Geburtsjahr: 9. April 1944
Geburtsort: Erlangen
Beruf: Lehrer
Interview
Wen wollten Sie schon immer mal treffen?
Günter Grass
Daniel Barenboim
Bischöfin Margot Kaessmann
Steven Hawking
Sandra Meischberger
Welche Autorin beziehungsweise welcher Autor hat Sie wie beeinflusst?
Mit Matthias Claudius begann mein Leseerlebnis, als ich noch ein Kind längere Zeit sehr krank war, und hat mich durch dessen Heiterkeit, Humor, Witz, Ernsthaftigkeit, Auseinandersetzung mit dem Tod, Unerschrockenheit und Frömmigkeit (auch wenn ich sie inhaltlich nicht teile) sehr geprägt.
Walter Jens, dessen Buch "Nein" meine demokratische und antifaschistische Haltung in früher Jugend geformt hat.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski (s. u.)
Thomas Mann (s. u.)
Bertolt Brecht, dessen Gedichte mir als Schüler viel Freude gemacht haben.
Welches Buch hat Sie wie beeinflusst?
Das Gilgamesh-Epos, weil es wie keine anderes Zeugnis der alten (vielleicht sogar in der gesamten) Literatur Märchen, Mythos, Realpolitik und persönliches Schicksal von Menschen miteinander verbindet
Die Bibel als Bücher der Gottesbegegnungen in allen existentiellen und systematischen Formen, der Geschichten, der Weisheit, der scheiternden und wieder aufgerichteten Menschen und Völker, der Verheißung und der Hoffnung.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Die Brüder Karamasow, wegen der erzählerischen Brillanz, der existentialistischen Vielffalt, der philosophischen Tiefe und der epischen Erzählweise
Thomas Mann, Josef und seine Brüder, wegen der "orientalischen" spielerischen und doch ernsten Erzählweise, des subtilen Humors, der sorgfältigen Recherche
Wassili Grossmann, Leben und Schicksal, wegen der einzigen großen Erzählung, die ich kenne und in der uns Nachgeborenen das geschichtliche Chaos des Nationalsozialismus, des Stalinismus, des Zweiten Weltkrieges und des Holocaustes von vielen Seiten ohne moralische Intention vorgestellt werden
Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur?
Immer wird es Menschen geben, die zum Ausruck kommen wollen und sich entäußern müssen. Ebenso wird es immer Menschen geben, die Ausdruck und Entäußerungen anderer einverleiben wollen. Ich bin so einer. Deshalb wird die Literatur zumindest solange Zukunft haben, solange ich lebe und geistig und körperlich noch bei Kräften bin. Und wenn ich es recht beobachte, bin ich nicht allein.
Ob die Äußerung der Menschen als Literatur vor allem durch das Buch erfolgen wird, scheint mir ehr ungewiss, aber auch nicht wichtig zu sein.
Mit welchem Satz würden Sie gerne zitiert werden?
Fort, fort nur!
Herr Tod,
wir rechnen uns nicht aus,
dass sie an uns vorüber gehen,
wenn die Frist naht.
Aber bitte sehr,
verlassen Sie sofort das Haus
und lassen Sie sich nie mehr sehen
hier,
bevor unsre Zeit gekommen!
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Wer sich anschickt, das Reich des Bösen zu vernichten auf Erden, ist dessen Erster Minister.
Was denken Sie, inwiefern das Internet die Literatur beeinflusst?
Formal und inhaltlich beeinflusst das Internet bereits jetzt die Literatur. Der Vertrieb von Literatur (Verlagswesen, Verkauf u. v. a. m.) ist ohne Internet überhaupt nicht mehr möglich. Zunehmend werden auch die Medien, durch die Literatur vermittelt wird, elektronisch gestaltet. Ob diese eines Tages das Buch ersetzen werden, ist jetzt noch nicht erkennen; ich bin nicht davon überzeugt.
Was ist Ihrer Meinung nach der Sinn des Lebens?
Katastrophen, Krankheiten, eigene Verfehlungen, Scheitern und Unglück können wir nicht vermeiden. Der Sinn des Lebens ist es nicht, von diesen und anderen Bedrohungen das Leben gestalten zu lassen, sondern im aufrechten Gang und fröhlich die Fülle des Lebens zu suchen, anzunehmen, bis ich lebenssatt (d. h. ich habe genug; ich habe alles bekommen, was ich brauche) bin und anderen von meiner Fülle etwas abzugeben.
Wie soll man sich später an Sie erinnern?
Lesen, was ich geschrieben habe, und betrachten, was ich geschaffen habe. Und im Abwandlung eines Brecht-Zitates: Ich habe Vorschläge gemacht; schaut sie euch an und seht, ob ihr sie gebrauchen könnt.
Wer ist Ihre Lieblings Romanfigur?
Don Quijote de la Mancha
Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, was würden Sie tun?
Nichts. Wer wie ich einmal gesehen hat, wie ein Zaunkönigmännchen tanzt und mit einer Kraft singt, die das kleine Wesen fast zu sprengen scheint, mit Genuss Pfeifen geraucht und Wein getrunken hat und die Gemeinschaft wichtiger Menschen erlebt hat, benötigt keine andere Zeit. Oder wie der Prediger(s. u.) mich lehrt: Alles, was ist, und alles, was sein wird, war schon einmal. "Jedes Ding hat seine Zeit." Das ist doch in Ordnung.
Was wollten Sie schon immer mal sagen?
Sicher habe ich schon viel zu viel gesagt. Also ist es jetzt vielleicht Zeit, die Klappe zu halten.
Nennen Sie uns Ihren Lieblingsfilm:
Der Name der Rose
Nennen Sie uns ein gutes Lebensmotto:
"Darum merkte ich, dass nichts Besseres darin ist denn fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeglicher Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut in all seiner Arbeit, das ist eine Gabe Gottes."
Prediger 3, 12 - 13 in der Bibel (im Alten Testament)
Nennen Sie uns Ihr Lieblingszitat:
"Voll Güt' ist, keiner aber fasset
Allein Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.
…"
Friedrich Hölderlin, Patmos, Bruchstücke der späteren Fassung
"Friede wird sein, wenn man den Mörder fragt, was man ihm getan hat."
Eugen Drewermann

